Venedig, nachts
Hab' mich entledigt des Rades, nach der Hitze des Tages,
kein Geld in der Tasche, kaum Wasser in der Flasche,
etwas Brot, doch der Lohn langer Fahrt hier nun endlich meiner harrt.
Gut, so breche ich auf, nach der Fahrt nun der Lauf.
Venedig, Stadt, ungekannt, Wunder, noch nicht benannt,
mich treibt der Wunsch, sie zu schau'n, zu erleben.
Durch die Gassen, allein, ziehe ich, setz' Bein vor Bein,
wo vor kurzem die Gäste noch saßen, ihre Plätze, verlassen,
schaukeln Lichtergirlanden im Wind.
Unbekannt mir der Weg, und so merke ich spät,
hab' Touristenpfade verlassen.
So als trieb mich die Zeit, Mittelalter, Einsamkeit,
dunkler Gang, dort ein Tor, tote Ratte davor,
finde mich einsam, verlassen.
Beklommen, gehetzt, such' den Weg ich ins Jetzt,
bei Rialto bin dem Labyrinth ich entronnen.
Musikbox, bayrisch Bier, wieder find ich mich hier,
ein Lokal ist's, am Aufgang zur Brücke.
Bleib im Lichte hinfort, folg den Wegweisern dort,
über Brücken, Kanäle, durch Gassen.
Jene Biegung, ich staune, plötzlich Menschen, Geraune,
hier ein Kiosk mit Blumen und Kundschaft.
Auch so spät in der Nacht schenkt man Blumen und lacht,
handelt, feilscht und erzählt neu Geschichten.
Noch ein Stück weitrer Lauf, ein Platz tut sich auf,
'Salon Europas' genannt, als 'San Marco' bekannt.
Doch sind die Gäste nun fort, und die Ruhe am Ort
störe ich und die Tauben.
In der Mitte zu steh'n, rundherum mich zu dreh'n,
hör das Gurren, Flattern, die Wellen.
Diesem Klang folg ich weiter, außer müde auch heiter,
finde hin bis ans Kai, höre Möwen-Geschrei,-
und ein Liebespaar wünscht mir 'Buona notte!'.
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Klaus Gölker © 2001-2026



