U-Bahn-Fahrt

Röhre, Beton, dunkel, grau,
Kabel, armdick, schwarz-
hinein, hindurch,
vorbeigeflogen.

Enger Tunnel, plötzlich Weite,
Bahnhofslautsprecherdurchsagen,
Licht von draußen, wieder Farben,
Sprechdurchsagen, Türen schlagen.

Rucken, fahren, wieder rasen,
Leuchtenbänder, Kunstlichtfluten,
Haltestangen, silberglänzend,
Plastikbänke, Kunststoff, blau.

Junge Frau, dort lesend sitzend,
Haare Seide, wie ein Vorhang
schwingen sie im Takt des Fahrens,
verbergen vor mir das Gesicht.
Erneut die Weite, Licht, Durchsagen,
und sie hebt ihr Haupt.

Asiens Schönheit, ihre Jugend,
Ebenmaß, still selbstbewußt,
und ein Mund, die Oberlippe,
sanft geschwungen, leicht geschürzt.
Als hätt' sie sich - verzeih die Worte -
von einer Brust erst losgelöst.

Und wieder schlagen Türen zu,
ein Rucken, Fahrt, schnell schneller.
Dort hinterm Seidenvorhang brauner Haare
ist sie zum Buch zurückgekehrt.
Enge, Weite, Türenschlagen-
mein Weg, er zweigt hier ab.

  Klaus Gölker © 2000-2026

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